Neue Landschaft, Pariser Jahre

 

 

 

"Wohnkubus mit Keimlingen", 1972, Farbstift, Tusche auf Karton, 73 x 51 cm

Rückblick auf die Anfänge 1972 - 1985

DEUTSCHE KUNST;

Eine neue Generation III

 

Zwischen Surrealismus und abbildhafter Präzision wird das Thema

des Raumes in der heutigen deutschen Malerei ausgespielt.

Wirklichkeit wird dabei oft in einer Direktheit vorgespielt, dass das

Abbild nicht selten in die Nähe von Genremalerei gerückt wird.

Peter Tuma entgeht dieser Gefahr, indem er seine Landschaften in

einen Kontrast von organischen Naturformen und reglementierenden

technizistischen Elementen bringt. Rostige, zerbrochene Gitterformen,

sich verschiebende Bodenplatten, die zerbröckeln und in Wulstformen

übergehen, sind typisch für diese Kompositionen. Widerhaken oder

mühsam gestützte Wände bringen in Tumas Zeichnungen und Bilder

Metaphern für Zerfall und Aggression ein. „Landschaft“ und Raum

werden auch hier als artifizielle und manipulierbare Sujets begriffen,

die innerhalb des Bildes nicht nur die Funktion des Reports übernehmen.

Tuma benutzt dabei oft serielle Gruppierungen, die unterbrochen werden

durch irreguläre, malerisch nuancierte Farbbewegungen. Starres und

Dynamisches stehen sich dabei gegenüber.

 

DAS KUNSTWERK . Rolf Gunter Dienst , 1971

 

 

"Grosses Bauland",1976/77, 150 x 140 cm, Acryl auf Leinen. Eigentum Land Niedersachsen
"Grosses Bauland",1976/77, 150 x 140 cm, Acryl auf Leinen. Eigentum Land Niedersachsen

Bandagen aus Beton, Bilder von P.Tuma

Galerie Walther, Düsseldorf

 

Wie sehr die Natur ins Hintertreffen gerät, wenn sich Technik

in ihr breit macht, gehört zum konsequenten Hauptthema

Peter Tumas. Seine Landschaften sind bandagiert, und ein

„Bergsee“ ist in die kalte Umrahmung eines künstlichen

Rechtecks eingemauert.

Mit Naturalismus hat das natürlich nichts zu tun, eher –

wenn man unbedingt ein Etikett finden will – mit kritischem

Realismus, der in bewusst gewählten Ausschnitten darstellt,

wie sehr die Natur ein „großes Bauland“ geworden ist, in das

Industrieanlagen wie Kraft- und Stauwerke ihre kaum zu

tilgenden Teer und Betonspuren eingraben. Wobei seltsamerweise

diese Spuren fast genau so gigantisch sind wie die Landschaft.

Und doch wird man nicht froh angesichts dieses technischen

Fortschritts.

 

NEUE RHEIN RUHR ZEITUNG . Alfred Müller-Gast

 

"Landschaftsfärbung", 1976, 100 x 80 cm, Tusche, Farbstifte auf Karton, Privatsammlung Paris
"Landschaftsfärbung", 1976, 100 x 80 cm, Tusche, Farbstifte auf Karton, Privatsammlung Paris

NEUE FORMEN DES REALISMUS

 

„... auch Peter Tumas naturalistische Landschaften ohne Natur, seine

Blockfigurationen, Eisenroste und Gitter sind weniger Abbild als

Abbreviaturen von Wirklichkeit. In einer bestimmten Weise scheint mir

mir dieser abstrakte Realismus „radikaler“ als der „radical realism“ der

Amerikaner.

 

MAGAZIN KUNST . Peter Sager , 1971 

 

"Stein III", 1976,

88,5 x 107 cm

Tusche, Farbstifte auf Karton,

Privatsammlung Paris

Steinbruch II", 1973, 89 x 59 cm, Tusche,
Farbstifte auf Karton. Privatsammlung Paris


AUS DEN FUGEN GERATEN

Der Maler Peter Tuma in der Düsseldorfer Galerie Walther

 

Der 34 jährige Peter Tuma gehört zu den verheißungsvollsten deutschen

Künstlern der jüngeren Generation. Seine Auszeichnungen lassen sich

zwar noch an einer Hand abzählen - er ist u.a. Rompreisträger – aber

seine hintergründige Thematik in Verbindung mit einer brillanten Technik

machen immer mehr auf ihn aufmerksam. 


In einer Ausstellung in der Düsseldorfer Galerie Walther variiert er ein

einziges „Thema“, den Kontrast zwischen Genormtem und Zersetzendem,

zwischen Geometrie und Wucherung, zwischen Konstruktion und Dekonstruktion.

Perfektion und Morbidität. Dieses formbestimmte Thema spielt er jedoch

nicht abstrakt durch, sondern lässt es in Partikeln der gegenständlichen Welt

Wirklichkeit werden. So gibt es Ausschnitte und Querschnitte eines Geländers

oder eines Gitters, er reiht Eisenspitzen oder Steinquader aneinander. In diese

starre Einheitlichkeit bricht dann das Unberechenbare ein: Blasiger, breiiger

Schlamm quillt aus den Fugen; Pilzkulturen heben die Bodenplatten hoch;

Keimlinge breiten sich aus; Lava schiebt sich über den Strand; es bröckelt

an den Rändern der „Landschaftsstücke“; Planen können nur mühsam diesen

Wildwuchs überdecken, Armiereisen die Blöcke zusammenhalten. 

Tuma nimmt die aus den Fugen geratene Welt wörtlich beziehungsweise

bildlich. Er gibt ein Sinnbild unserer öden, standardisierten Erde, deren

Leben sich nur noch in Wucherungen äußert. Die Zivilisation hat den

Organismen die Gestalt entrissen, hat den Menschen in der Masse untergehen

lassen, hat der Landschaft die Natur genommen. Das Leben rächt sich, aber

nicht im Vollbesitz seiner Kraft, sondern als degeneriertes Kellergewächs. 

 

Tumas Gesellschaftskritik ist nicht direkt, sondern zeigt sich in einem

surreal anmutenden Realismus. Dennoch verzichtet er nicht auf

ästhetische Reize. Seine rostigen Töne in den Gouachen und Drucken

tasten die feinsten Farbstufen ab. Pulvrige Farben, Kreiden und

Buntstifte werden in den Handzeichnungen aufgetragen und zum

Teil wieder ausradiert, so dass der Eindruck von Höhung entsteht,

wie sie die alten Meister verwandten. Schrunzen sind mit Asche

bewirkt, harte Stifte drücken Konturen ins Papier. Die Drucke bezeugen

mit welcher technischen Bravour scheinbar monochrome Farbflächen

entwickelt werden, wobei bis zu sieben Druckvorgänge für ein Grau-Braun

notwendig werden.

 

DÜSSELDORFER NACHRICHTEN , H.M. , 1972

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Stauwerk", 1974, 105 x 88 cm,

Bleistift auf Karton

VIELDEUTIGE SPUREN UNSERER ZIVILISATION

Vier Ausstellungen in der Münchner Maximilianstrasse

 

 

Peter Tuma bei Buchholz. Die Wiederbegegnung mit Tuma, der vor sechs

Jahren zum letzten Male in München ausgestellt hat und damals zur ersten

Wahl der neuen realistischen Zeichner gehörte, zeigt den Künstler gereift,

entschiedener, selbstverständlicher im Einsatz seiner meisterlich beherrschten

Mittel. Waren damals im einengenden Fachwerk seiner Welt aus geometrischen 

Kästen noch allenthalben Spuren vegetativen Lebens gegenwärtig, so fällt heute

die totale Abwesenheit jeglichen Lebens auf.

Tuma zeichnet Motive aus der heutigen Welt, aber er isoliert und präsentiert sie

wie archäologische Funde von einem längst nicht mehr belebten Planeten, wie Spuren

einer untergegangenen, offensichtlich brutalen Zivilisation.

Dass er mit seinen großformatigen Bildern so etwas wie eine Ästhetik der Betonruine

vorwegnimmt, ist zwar nicht gerade tröstlich, suggeriert aber mögliche Sehweisen

zukünftiger Betrachter unserer Gegenwart. Neu bei Tuma sind ebenfalls großformatige

Acrylbilder von sparsamer Farbigkeit und freier Verwendung realistischer Stilmittel.

Auch sie führen die urbane Welt verschüttet und geborsten aus befremdeter, faszinierter

Distanz vor. Dazu kahle Berge mit zeichenhaften Bemalungen und Spuren nicht mehr

deutbarer Bearbeitung. Tumas Zukunft hat längst begonnen.

 

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG , Wolfgang Längsfeld , 1977

 

 

 

 

 

"Grüne Landschaft bandagiert", 1973

135 x 120 cm, Acryl auf Leinen

Privatsammlung Paris 

 

 

 

 

KÜNSTLER AUS DEM documenta „EXCLUSIVKLUB“

Ein Holländer und ein Wolfenbütteler.

Doppelausstellung Ger van Elk und Peter Tuma im Kunstverein Braunschweig

 

Während noch in Kassel der von vielen heftig umstrittene internationale Jahrmarkt der Bildenden Künste, die „documenta“ Besucherströme anzulocken vermag, hat der Kunstverein Braunschweig, seine Pforten nach der Sommerpause wieder geöffnet, um mit dem in Deutschland nur Kennern bekannten niederländischen Maler Ger van Elk und seinem, in Wolfenbüttel lebenden Kollegen Peter Tuma, dessen Werk der Kunstverein schon einmal vor nun vierzehn Jahren präsentiert hat, zwei Künstler vorzustellen, die beide zum Exklusivclub der diesjährigen documenta 6 Aussteller gehören.

 „Landschaftsgitter und –planung“, „Landschaftsteilung“, sowie „Landschaftsstufung“ „Landschaftsverschnürung“ und andere „Landschaften“ sind Schlüsselbegriffe, die eine erste Klassifizierung zu den im Obergeschoss ausgestellten Werken des Wolfenbütteler Malers Peter Tuma ermöglichen, die aber andererseits allzu leicht zu einer zu groben, oberflächlichen Zuordnung zu der in der Mitte der sechziger Jahre in der Malerei aufkommenden realistischen Kunstströmung, die man unter dem Begriff der „Neuen Landschaft“ zusammenfasst, verleiten könnte. Selbstverständlich ist der Bedeutungsträger „Landschaft“ durch Tumas bewussten Verzicht auf menschlich-figürliche Darstellung, ein wichtiger, wenn nicht der zentrale Assoziationsausgangspunkt für bildnerische, in ihrer leblos stillen Dimension beeindruckende Konstruktionen einer irgendwo erlebten Umwelt, die nunmehr durch bemüht falsche Perspektive und eine penibel realistische, handwerkliche Ausführung auf neue, manchmal surreale Bereiche berührende Weise verdinglicht wird. Ohne süßliche Sentimentalität gegenüber dem Dargestellten gelingt es Tuma im wahrsten Sinne des Wortes „Eindrücke“ technisierter Welt mit seinen vorrangig optisch-sinnlich gewordenen Erfahrungen, wie er sie beispielsweise in der leblos stillen Bergwelt des Himalaya gemacht hat, zu einer eindringlichen Synthese zu verknüpfen.

 

Beide Ausstellungen zeigen wichtige künstlerische Bestrebungen der neueren Entwicklung.

 

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG , Harald Hilpert , 1977

 

 

 

"Bauland '79", 1979,

120 x 100 cm, Acryl auf Leinen 

Privatsammlung Paris

"Große Bergbemalung", 1976, 162 x 130 cm , Acryl auf Leinen, Privatsammlung Braunschweig

PETER TUMA

GALERIE KARL FLINKER PARIS

 

Ce jeune artiste allemand exposé pour le premiére fois en France,

succédant, dans la méme galerie à Gäfgen, confirme la vitalité

du renouveau de la peinture réaliste allemande.

 

Dessins et peintures, dans une facture précieuse opèrant des

prélèvements sure des terrains où se rencontrent tout les pollusions

contemporaines. Comme un herbier désignant un paysage, les parcelles

„grandeur natur„ reconnues par la plume et le pinceau de Tuma sont des

terres recouvertes d’acier ou de toiles goudronnées. Parmi eux, une

chemise maculée „Chemise chilienne, hommage à Gnoli“ Le point d’ancrage

de cet art minutieux est clair, les beautés esthétiques ont le droit de parole.

 

QUINZAINE LITTÉRAIRE Paris , 1974

 

 

"Spielplatz I", 1974

180 x 150 cm, Acryl auf Leinen

Privatsammlung Paris